Gemisch-Einstufung: Welche Infos sind wichtig?

Egal ob über Berechnungsmethoden oder Übertragungsgrundsätze – erst einmal stellt sich bei der Gemisch-Einstufung die Frage: Was für Informationen brauche ich eigentlich?

Durch die Sicherheitsdatenblätter der Rezepturbestandteile mangelt es nicht an der Datenmenge, es ist aber leider auch nicht immer das dabei, was man gerne hätte. Hier fehlt mal ein NOEC-Wert und dort weicht die Hersteller-Einstufung von der harmonisierten Einstufung ab.

Deswegen einmal ein kleiner Überblick über Informationen aus Ihren Sicherheitsdatenblättern, die für die eigene Rezeptur relevant sind, auch abhängig von der Einstufungsmethode.

 

Gefahrenkategorien aus Gemischen und Inhaltsstoffen

Natürlich fallen einem sofort die Abschnitte 2 & 3 der Rezepturbestandteile ins Auge, sowohl bei Gemischen als auch bei Reinstoff-SDBs. Das müsste doch die Datenbasis für die eigene Gemisch-Einstufung sein?

Für die Antwort muss weiter differenziert werden. Abschnitt 2 hat Informationen zur Gemisch-Einstufung bei Gemisch-SDBs. Abschnitt 3 enthält die Inhaltsstoff-Einstufungen, sowohl bei Gemischen als auch bei Reinstoffen mit deren Stabilisatoren / Verunreinigungen. Mir sind aber auch schon Reinstoff-SDBs untergekommen, wo in Abschnitt 3 nicht noch einmal die Einstufung des Reinstoffs wiederholt wurde.

Unterm Strich heißt das folgendes: Für die Einstufung eines eigenen Gemischs sind nur die Reinstoff-Einstufungen (Gefahrenklassen und Kategorien nach Anhang I der CLP-Verordnung) relevant – also in der Regel die Informationen aus Abschnitt 3. Das heißt nicht, dass Gemisch-Eigenschaften gar nicht verwendet werden.

Informationen von Vor-Gemischen in der eigenen Rezeptur

Tritt eine Gefahr hauptsächlich bei einem Bestandteil oder einer Vormischung auf, dann kann mit Übertragungsgrundsätzen auch anhand der Gemisch-Daten eingestuft werden. Ist zum Beispiel ein Gemisch ungefährlich und hat eine gewässergefährdende Vormischung, dann kann von einer Gewässergefährdung ausgegangen werden, vor allem wenn diese Mischung einen Großteil der Rezeptur ausmacht.

Es wird zwar selten angegeben, aber theoretisch lässt sich auch mit einem Gemisch im Gemisch (engl. mixtures in mixtures – MiM)-ATEmix-Wert weiter rechnen.

Welche SDB-Abschnitte sind sonst noch wichtig?

Neben Abschnitt 3 befinden sich vor allem in Abschnitt 11 und 12 noch weitere Daten, insbesondere die Toxizitätsdaten der Inhaltsstoffe in Bezug auf die Gesundheitsgefahr (Abschnitt 11) und Umweltgefahr (Abschnitt 12). Beide finden in den Berechnungsmethoden anhand von Inhaltsstoff-Eigenschaften Anwendung.

Rezeptur-Daten

Für physikalisch chemische (PC) Gefahren und die Aspirationstoxizität werden zusätzlich noch PC-Daten der Rezeptur selbst benötigt. Auch eine Einstufung in der Ätzwirkung auf die Haut ist über den pH-Wert der Rezeptur selbst möglich.

Hat also ein Bestandteil der Rezeptur bestimmte PC-Gefahren (z.B. Entzündbarkeit, Oxidierbarkeit), dann sollten für die Rezeptur die entsprechenden physikalischen oder chemischen Eigenschaften ermittelt werden.

Weil das nicht immer im eigenen Haus möglich ist, gibt es für Gefahrgut besondere Regelungen, um Proben mit unbekannten Gefahren zu verschicken. Für die innerbetriebliche Kennzeichnung von nicht vollständig analysierten Proben gibt es ebenfalls Empfehlungen.

 

Quellen: Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (engl. CLP Regulation), konsolidierte Fassung, Stand 01.03.2018

Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-VO), konsolidierte Fassung vom 01.03.2018

Von | 2018-06-13T14:49:25+00:00 Juni 2018|SDB-Profi|Kommentare deaktiviert für Gemisch-Einstufung: Welche Infos sind wichtig?