Effizienz bei Gefährdungsbeurteilungen

GBU neu gedacht:
Der Grundgedanke

Gefährdungsbeurteilungen (GBU) für eine bestimmte Tätigkeit können häufig in nur leicht abgewandelter Form auch für eine andere Tätigkeit verwendet werden. Das trifft insbesondere auf GBU zu, die als Spezialisierung einer bereits bestehenden GBU betrachtet werden können.

Oft ist der Umfang der Abwandlung nur gering. Eine GBU für das Führen von Flurförderzeugen allgemein unterscheidet sich nur in wenigen Aspekten von einer GBU, bei der noch Besonderheiten für das Hochregallager und/oder enge Fahrgassen hinzukommen.

Praxisfallen im Pflege­­prozess

Nun wäre es einfach möglich, von der am besten passende, bereits existierenden GBU eine Kopie zu erstellen und dann in dieser Kopie die notwendigen Ergänzungen bzw. Streichungen vorzunehmen.

Dabei entsteht allerdings ein Dokument, das zu einem großen Teil mit dem ursprünglichen übereinstimmt. Änderungen in einem der beiden Dokumente müssten dann im anderen Dokument nachgezogen werden.

Gleichzeitig sind in einer GBU regelhaft zahlreiche Maßnahmen enthalten, die – zumindest wenn das System lebt – unterschiedliche Erfüllungsstände etc. aufweisen.

Ihr Fahrplan zur spezialisierten GBU

Gerne würde man also nur die Änderungen (und ggf. Streichungen) in dem neuen GBU-Dokument ein- bzw. anbringen. Im Übrigen wird auf die bereits bestehende GBU verwiesen, quasi als „mitgeltende Gefährdungsbeurteilung“. Weitere Spezialisierungen derselben – dann erneut mitgeltenden – Gefährdungsbeurteilungen wären einfach möglich und hinsichtlich des Erstellungs- und Pflegeaufwandes sehr effizient.

Der Vorteil dieses Vorgehens liegt auf der Hand: Aktualisierungen müssen nur an einer Stelle erfolgen, beide Dokumente bleiben mit Änderungen nur an einer Stelle trotzdem aktuell.

Gleichzeitig wäre die Handhabung vermutlich etwas mühevoll: Es wäre erforderlich, beide Dokumente nebeneinander zu legen und zu vergleichen.

Mittels einer Software wie GeSi³, die ein solches Konzept vollumfänglich unterstützt, kann diese Handhabung vereinfacht werden: Ähnlich wie bei einem Overheadprojektor, bei dem mehrere Folien übereinandergelegt gemeinsam an die Wand projiziert werden, können mitgeltendes und spezialisiertes GBU-Dokument zu einem Dokument verschmolzen werden.

Schaubild zum Verständnis für mitgeltende Gefährdungsbeurteilungen

Mehrwert auf einen Blick

Die Spezialisierung einer allgemeineren, dann mitgeltenden, Gefährdungsbeurteilung kann auch dazu verwendet werden, Anpassungen für bestimmte Bereiche vorzunehmen.

Das ist vor allem dann nützlich, wenn eine GBU zusammen mit der bereichsverantwortlichen Führungskraft erfolgt. Auf diese Weise finden sich die individuellen Anforderungen der Führungskraft in der GBU direkt wieder, ohne dass die zugrunde liegende GBU selbst geändert werden müsste.

In der Praxis findet zunächst meist eine Spezialisierung und im Anschluss daran eine Individualisierung der Gefährdungsbeurteilung statt. Alle drei Dokumente werden dabei zu einer Gefährdungsbeurteilung verschmolzen, so dass der Personenkreis, für den die GBU gilt, nur ein Dokument beachten muss.

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Profilbild des Autors

Dieter Feitsch

Dr. Dieter Feitsch, Facharzt für Arbeitsmedizin, GBU-Coach und Leiter Software-Entwicklung GeSi³

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