Die Ergebnisse des letzten REACH-EN-FORCE-Projekts (REF-6) sind veröffentlicht worden und betreffen genau Ersteller und Anwender eines Großteils aller Sicherheitsdatenblätter – nämlich der Sicherheitsdatenblätter von Gefahrstoff-Gemischen.

Im Vergleich zu den ersten Statistiken sehen die Ergebnisse was Einstufung angeht besser aus, aber es besteht weiterhin Verbesserungsbedarf: Fast jedes zweite Sicherheitsdatenblatt weist Fehler in den rechtlichen Grundlagen wie Einstufung oder Kennzeichnung auf.

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Datengrundlage

Für REF-6 wurden aus 28 Ländern die behördlichen Auswertungen von 1620 untersuchten Firmen verwendet und insgesamt 3391 Gemische geprüft.

Zusammengefasste Ergebnisse aus REF-6

  • 44% wiesen mindestens eine Abweichung von geltendem Recht auf
  • 17% der Gemische hatten eine fehlerhafte Einstufung.
  • In 33% aller untersuchten Gemische war das Produkt-Etikett falsch.
    • Abweichungen bei den H-Sätzen: 22%
    • Abweichungen bei den P-Sätzen: 15%
    • Abweichungen bei den Piktogrammen: 14%
    • Abweichungen beim Signalwort: 12%

Folgen fehlerhafter Einstufungen

Sowohl für Produzenten als auch für Verbraucher sind die Folgen von fehlerhaften Einstufungen bemerkbar:

Wenn ein Hersteller bereits bei seinen zugelieferten Gemischen Abweichungen in den Sicherheitsdatenblättern geliefert bekommt, dann wirkt sich das auch direkt auf die Qualität der eigenen Sicherheitsdatenblätter aus.

Verwender von Gefahrstoffen interessieren sich für die Gemisch-Kennzeichnungen und daraus abgeleitete Maßnahmen zum sicheren Umgang mit den Chemikalien. Ist die Einstufung falsch, dann werden die Gefahrstoffe meistens auch falsch gekennzeichnet.

Die Konsequenz aus den REF-6 Untersuchungen

Was lässt sich aus dieser Information ableiten? Erst einmal, dass etwa jedes fünfte Gemisch eine falsche Einstufung hat und jedes dritte Gefahrstoffetikett fehlerhaft ist.

Für die Verwendung von Gemischen kann ich also empfehlen: Skepsis ist angebracht. Es lohnt sich, Einstufungen und Kennzeichnungsetiketten kritisch zu beurteilen, um einen unsicheren oder falschen Umgang mit den Gefahrstoffen zu vermeiden.

Plausibilitäts-Check: Die Basis für guten Arbeitsschutz und gute Sicherheitsdatenblätter

In Sicherheitsdatenblättern wird nicht nur die Einstufung des Gemischs in Abschnitt 2 angegeben, sondern auch die Einstufung der relevanten Inhaltsstoffe in Abschnitt 3. Zusammen mit weiteren Informationen aus dem Sicherheitsdatenblatt lässt sich damit nachvollziehen, ob die Einstufung und die daraus resultierende Kennzeichnung des Gemischs zu den restlichen Angaben im Sicherheitsdatenblatt passt. Das kann helfen, Abweichungen zu erkennen und Hersteller auf mögliche Fehler aufmerksam zu machen. So verbessert sich die Qualität der Sicherheitsdatenblätter entlang der Lieferkette.

Quellen: Europäische Chemikalienagentur, http://echa.europa.eu/.

REACH-EN-FORCE-Projekt REF 6