Aus der nationalen Gesetzgebung für Deutschland kennen wir die Arbeitsplatzgrenzwerte, biologische Grenzwerte und maximale Arbeitsplatzkonzentrationen oder auch Toleranzkonzentrationen. Diese Werte sind verpflichtend anzugeben und finden sich in der 900er Reihe der TRGS (mehr dazu in unserem Blogbeitrag zu AGW und BGW).1
Oft findet man in Sicherheitsdatenblättern zusätzlich zu den oben genannten Grenzwerten auch DNEL bzw. PNEC Werte. Wie man diese Werte ermittelt, was genau sie aussagen, wie man sie in der Praxis nutzen kann und ob die Angabe verpflichtend ist, wird im Folgenden dargelegt.
Woher kommen die Werte?
Wenn wir uns die ausgeschriebenen Namen anschauen, Derived No Effect Level und Predicted No Effect Concentration, kommt man schnell dahinter, dass es zum einen Grenzwerte sind, unterhalb derer sich noch kein Effekt der Substanz auf den Menschen oder die Umwelt zeigt. Außerdem kann man erkennen, dass es berechnete Werte (derived/predicted) sind, die aus Messwerten und Gewichtungsfaktoren ermittelt werden.2 3 Konkret werden DNEL und PNEC Werte in den Registrierungsdossiers nach REACH angegeben.
Was sagen die Werte aus?
Die DNEL Werte beziehen sich auf die Gesundheitsgefährdung beim Menschen, feiner unterteilt in die arbeitende und allgemeine Bevölkerung, weil hier unterschiedliche Expositionsszenarien zum Tragen kommen. Sie werden berechnet aus toxikologischen Angaben, weiterhin den „Occupational Exposure Limits“ (quasi europäische AGWs) und bestimmten Gewichtungsfaktoren, die z.B. für die Arbeiter, die mit dem Stoff umgehen, höher sind als für die allgemeine Bevölkerung.
PNEC Werte beziehen sich auf die (v.a. aquatische) Umwelt und haben keine direkte Entsprechung im Arbeitsschutz wie DNEL <-> AGW.
Wie kann man die Werte in der Praxis nutzen?
Es gibt immer mehrere DNEL und PNEC Werte, weil unterschiedliche Populationen und Umweltkompartments mit unterschiedlichen Expositionswegen über unterschiedliche Zeiten betrachtet werden.
In den häufigsten Fällen gibt es bei den DNEL Werten Angaben zur systemischen und lokalen Wirkung, über die akute und chronische Wirkung und für die Expositionswege Inhalation, Hautkontakt und Augenkontakt bei der arbeitenden und allgemeinen Bevölkerung. Es sind nicht immer für alle Kombinationen Werte vorhanden.
Bei den PNEC Werten kommen häufig Angaben für die Konzentration in Gewässern (Süß- und Meerwasser), den entsprechenden Sedimenten, für Kläranlagen und im trockenen Boden vor. Seltener geht es direkt um Flora oder Fauna, es gibt aber manchmal Angaben über Sekundärvergiftungen (Beutetiere) und für die Anreicherung in Raubtieren durch die Nahrungskette.
Ist die Angabe verpflichtend?
Im Regelfall sind die DNEL und PNEC Werte für einen Stoff im Haupt-Registrierungsdossier (Lead Dossier) bei der ECHA angegeben, damit haben die Werte einen offiziellen Charakter und wurden ja auch nach strengen Regeln ermittelt.
Dennoch ist die Angabe nicht immer verpflichtend, DNEL/PNEC Werte müssen nur angegeben werden, wenn eine Stoffsicherheitsbeurteilung durchgeführt werden muss, d.h. wenn die Mengenschwelle von 10 Tonnen/Jahr für das Inverkehrbringen überschritten ist. Die Ermittlung der DNEL/PNEC Werte ist Teil der Expositionsszenarien für die Stoffsicherheitsbeurteilung.
Achtung, diese Bedingung gilt nur für Reinstoffe und deren Produzenten. Für die Verwendung von Stoffen mit DNEL/PNEC Werten in Gemischen gilt: Wenn der Inhaltsstoff solche Werte hat, müssen diese im SDB des Gemisches auch aufgeführt werden, es muss allerdings kein Expositionsszenario oder Stoffsicherheitsbericht angefertigt werden.
Fazit: DNEL/PNEC Werte müssen bei Gemischen für die Inhaltsstoffe angegeben werden, wenn sie vorliegen.
GeSi³ kann Ihnen ab der Version 13.1. bei der Ermittlung der Werte helfen. Die Zusatzfunktion des ECHA-Konnektors wurde um das Abholen der Werte aus den Registrierungsdossiers erweitert.